Die Pinkygeschichten

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Was ist das "eine Zeitung". In einer Reihe Jungkatzengesichter spiegelte sich Ratlosigkeit.  Der Fragesteller Twinkle, ein kräftiges Tigerchen mit einer weißen Nase sah in die Runde. Sinchen, ein ältliches Katzenfrollein mit dunklem Tigerpelz hob zu einer Erklärung an. "Das ist ein Papier auf dem steht, was passiert ist und schlaue Leute sagen ihre Meinung dazu.  Man nennt das Journalismus."  Die unsichtbaren Fragezeichen in der Runde hoben und senkten sich. "Was passiert ist?"  "Ja, in der Menschenwelt passiert alle Nase lang was und einige  Menschen schreiben darüber und andere lesen es. Sie sagen, sie können dann mitreden".  Für die Katzenwelt gibt es sowas nicht. Wir benutzen Zeitungen nur um darauf zu sitzen oder sie zu zerreißen. Sie lenken die Aufmerksamkeit unserer Dosenöffner zu sehr von uns ab."

Die Runde schien nicht überzeugt vom Nutzen Dinge niederzuschreiben auf denen andere Leute sitzen. Wessen Hinterteil war schon interessiert daran, wer wann wo Jagdglück hatte ob die Mäuse fett oder ungenießbar waren oder vielleicht ein Flattermann als Beute dabei war. Oder gar, dass man nachts vom Nachbarkater schmählich verprügelt worden ist. Letzteres war auf jeden Fall ein Erlebnis, dass man nicht geneigt war mit anderen zu teilen. 

Paulchen, ein sehr auffällig gekleideter Kater mit großen grünen Augen überlegte laut,  dass die Dosimenschen sich vielleicht freuen würden, auf einer Katzenzeitung zu sitzen, wenn umgekehrt die Katzen doch so gern auf Menschenzeitungen sitzen. Man überging seine philosophischen Anwandlungen und wandte sich praktischeren Dingen zu. 

"Wir können gar nicht schreiben, wir waren noch nicht in der Pfötchenschule" sagte aufgeregt der große grau getigerte. Dabei versuchte er, auf den Hinterbeinen zu balancieren und graziös einige Rumbaschritte auszuführen. "Hermann hat Recht"  nickten die anderen während Hermann hintenüberfiel und sich den Kopf am Heizkörper anstieß. Der kleine schwarzhaarige Willy sah sich besorgt zu seinem Freund um. Hermann ließ einen so schön an seinem Bauch nuckeln wenn man sich einsam fühlte. Dann dachte Willy an seine Mammi und alles war gut. Hermann stand schon wieder, Willy war beruhigt. Außerdem stieß Hermann dauernd irgendwo an.  

"Aber die Dosimama könnte aufschreiben was ihr sagt und auch gleich redaktionell überarbeiten." meinte Sinchen.  Man sparte sich die Nachfrage, was redaktionell denn nun wieder bedeutete.  Oben aus der Kratzbaumhöhle hingen lässig zwei lange Beine. Die Besitzerin derselben steckte ihr Näschen über die weißen Pfötchen nach draußen. Ein hübsches Gesichtchen kam zum Vorschein, das aussah, als hätte die Besitzerin gerade aus einem Sahnetopf genascht. Die vier Jungs sahen zu ihrer Schwester Tinkerbell hoch. 

"Tante Ninifee hat doch immer alles aufgeschrieben! Wo ist sie eigentlich, Tante Sinchen?"   Die ältere Katzendame erklärte, dass Ninifee dauerhaft in das andere Land umgezogen sei. Sie wurde dort dringend für die Engelzeitung gebraucht und habe den Job als Chefredakteurin angetreten. Zuvor hatte sie die Bitte geäußert, dass jemand ihre Arbeit hier weiterführt. Bei Rückfragen stünde sie auch gern per Engel-mail über das Internet zur Verfügung."  Die kleinen Katzen waren traurig zu hören, dass ihre Tante nicht mehr da war um mit ihnen zu spielen, ihnen wichtige Dinge zu zeigen und zu erklären und großzügig die besten Essenhappen mit ihnen zu teilen. "Tante Ninifee hat aber nichts auf Papier geschrieben sondern auf der Tastatur und man konnte es auf dem Bildschirm sehen." meinte Tinkerbell.  Der kleine Willy nickte. Auf der Tastatur hatte er auch schon gesessen und  0909999999999  ??? geschrieben. Seine Dosimum war sehr erfreut gewesen und hatte sein erstes Geschreibsel aufbewahrt. 

 "Ja", meinte Sinchen, "wir sollten es auch so fortführen". Nachrichten müssen nicht unbedingt auf Zeitungspapier stehen" Das geht auch virtuell."  -  "Das heißt, das man es im Internet lesen kann und nicht auf Zeitungspapier" erklärte Sinchen, die die Unruhe bemerkte, die sich ob des Wortes virtuell ausbreitete. Internet kannten die kleinen, weil sie oft ihrer Dosimum über die Schulter geschaut hattten, wenn diese etwas angeschaut und für sie bestellt hatte. Etwas vage hatten sie dabei die Vorstellung, das Internet befinde sich im Monitor oder direkt dahinter.



"Kommt Tante Ninifee zurück?" wollte Paulchen wissen. "Nein", sagte Tante Sinchen. Wer einmal im anderen Land ist kann nicht wieder zurück in unsere Welt. Man bekommt dort kleine Flügel und es würde zu sehr auffallen, wenn man hierzulande damit rumlaufen würde. Irgendwann wird jeder ins andere Land  gerufen und dann sehen wir alle wieder, die wir gern hatten".  Die Kätzchen wollten sich immer noch nicht mit dem Gedanken abfinden, dass ihre geliebte Tante Ninifee, die sich wie eine Mutter um sie gekümmmert hatte überhaupt nicht mehr für sie da sein sollte. Sie hatten gesehen dass ihre Dosimum furchtbar geweint hatte als  Ninifee in der Küche reglos auf einer Decke lag.  Pinky, ihre richtige Katzenmama war zur Zeit auch gerade unterwegs und ging ihren Interesssen nach. Niemand war da, der sie trösten konnte, mit dem sie kuscheln und sich anlehnen konnten und nun sollten sie auch noch Dinge tun, von denen sie keine Ahnung hatten. 

Willy war weinerlich zumute. Er überlegte, ob er sich an Tante Silla anschmiegen sollte. Silla saß im Sessel gegenüber und rollte ihre großen Augen geschäftig von einem zum anderen. Sie war sein heimlicher Schwarm auch wenn die anderen sagten, sie sähe aus wie eine Eule. Sie war groß und weich. Bewegte sich schnell und geschmeidig.  Ihr Vokabular beschränkte sich auf wenige Miepser und leises Gurren. Ihr Schwanz bewegte sich ständig und formte Kringel, Schlangenlinien, Rechtecke, Pyramiden und komische kleine Männchen . Und obwohl keiner ihre ägyptischen Hieroglyphen entziffern konnte, meinten alle zu verstehen, was sie ausdrücken wollte. Silla genoß das Privileg, bei der Dosi im Arm zu schlafen. Twinkle und Willy versuchten oft, auch ein wenig Nähe abzubekommen hatten dabei jedoch meistens das Pech von Silla ein paar Watschen zu bekommen. Da war ihre Sprache durchaus deutlich und universell. 

Der kleine Willy seufzste und nahm sich vor, bei nächste Gelegenheit der Dosimum lange und ernsthaft ins Gesicht zuschauen, bis sie ihn auf den Arm nahm und ein wenig herumtrug. Das war auch eine tröstene Erfahrung und er konnte danach besser schlafen. 

Sinchen merkte, dass die Katzenkinder überfordert waren und schlug vor, sich den nächsten Tag für eine erneute Lagebesprechung zu treffen. Jeder könnte schon mal überlegen, welche Aufgaben er übernehmen wollte. Sinchen machte sich Sorgen. Mit ihren Computerkenntnissen war es auch nicht weit her. Sie saß zwar regelmäßig mit dem Dosimann vorm PC, ihre Stärke lag aber mehr darin, schnurrend die Geräusche des PC nachzuahmen. Wie sollte sie mit den unerfahrenen Katzenkindern die Berichterstattung von Ninifee fortführen. Sinchen  war schon fast im Rentenalter und das einzig bedeutende in ihrer Laufbahn war das Studium der Vogelkunde, wo sie es zu einigem Ruhm gebracht hatte. 

Sinchen war durchaus pragmatisch veranlagt und als alle den nächsten Tag wieder um und auf dem Eßtisch saßen schlug Sinchen vor einfach anzufangen. Jeder sollte über das berichten, was ihm am wichtigsten war. Aus dem entstehenden Durcheinander würde man nach für nach versuchen, eine geordnete Berichterstattung zu erstellen.




Und so geschah es, dass man kurz drauf Willy an der Tastatur sitzen sah. Kleine schwarze Pfötchen schrieben Hjjjiukomnnnmnnntr Wwq iiiilklky. Sinchen blieb geduldig. " nur eine Taste zur Zeit, nur eine Taste drücken" sagte sie. Willy setzte sich aufrecht hin und versuchte sein Glück aufs Neue. Nach einigen Fehlversuchen schaffte er den Satz "hier kommt Willy" tatsächlich fehlerfrei. Sinchen war stolz auf ihren Schüler. Er war der einzige, der sich ernsthaft bemühte. Die anderen gaben vor wichtigere Dinge wie Mäuse erledigen und Vögel beobachten auf ihrem Stundenplan zu haben. Sinchen glaubte aber, dass sie eher in der Scheune im Heu lagen und sich dem süßen Nichtstun hingaben. Dafür waren sie dann die ganze Nacht unterwegs, spielten mit Keksi, dem Besucherkater und gruben Maulwürfe aus.

Silla sprang auf den Schreibtisch und setzte sich auf die Tastatur. Der Computer protestierte genervt mit "Pong, pong, pong" . Ein Buchstabengewirr entstand hinter Willys mühsam erarbeitetem Satz. Sinchen war sauer. Diese verzogene Diva, die noch nicht mal ein Katzenklo benutzen konnte, hatte ihr gerade noch gefehlt. Den ganzen Tag lang scheuchte sie die Dosi hin und her und zu der Berichterstattung hatte sie überhaupt nichts beizutragen. Sinchen beschloss deutlich zu werden und sandte einen strengen Blick. Silla hüpfte nichtsdestotrotz vergnügt über den Schreibtisch und rannte ins Eßzimmer. Sinchen folgte ihr und drückte ihr Mißfallen diesmal mit einem lauten Knurren aus. Silla hatte verstanden und beschloß, die Flucht nach draußen anzutreten scheiterte aber am geschlossenen Fenster.  Hektisch schoß sie zur Tür konnte aber auch hier nichts werden und war froh auf die Dosi zu treffen, die ihr den Weg ins Freie ebnete.

Der kleine Willy hatte derweil beschlossen, die filigrane Schreibarbeit sein zu lassen und vergnüglichere Sachen am PC auszuprobieren.  "Pong" machte es und noch einmal "pong, pong". Willy freute sich. Als ihm die Pongs und der Buchstabensalat langweilig wurden, erinnerte er sich, dass er eigentlich ja Dinge aufschreiben sollte, die passiert waren und vielleicht für jemanden von Interesse sein könnten. Und so schrieb  Willy:  "ich habe heute 2 kleine Flatterdinger gefressen."  (Anm. der Redaktion: 2 junge Schwalben, die aus dem Nest gefallen waren)  Dann fügte er noch folgendes hinzu:

" Die Schwalben haben ganz viele Nester gebaut. Bei den Pferden im Stall  und in dem Unterstand, wo das Auto vom Dosimann steht. Das Auto musste ausziehen, weil der Dosimann es leid war jeden Tag die Pupse abzuwaschen.  Die Pferde möchten auch ausziehen. Sie haben nicht gern Pupse auf ihrem Fell und auch nicht in ihrem Futter und ihrem Trinkwasser. Es sind Bretter unter den Nestern aber die Schwalben pupsen auch im Flug.

Keine literarische Glanzleistung wird man feststellen. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Kätzchen mal gerade die 1. Klasse der Kätzchenschule besuchen.



Der Aufwecker

Willy wurde wach. Etwas in seinem Inneren hatte gesagt, es sei ein gute Zeit aufzuwachen und draußen die erste Runde des neuen  Tages zu drehen. Willy lag im Bett auf der roten Decke, neben ihm seine Tante Silla. Sie teilten sich eine Hälfte des Bettes, dass der Dosimann freundlicherweise gänzlich den Katzen überlassen hatte.  Die Hälfte des Bettes mit der blauen Decke belegte Twinkle. Der behauptete immer, er brauche mehr Platz als die anderen und machte sich breit und lang, streckte die Beine lang aus wälzte sich hin und her, dass man eh keine Ruhe fand, wenn man neben ihm lag.

Willy lauschte den Vögeln, die zaghaft anfingen den neuen Tag zu begrüßen. Es musste so um 4 Uhr morgens nach Dosizeit sein. "Der frühe Vogel fängt den Wurm" oder hieß es "in der der Frühe fängt man Vögel" ?  Egal. Wenn er nach draußen wollte, musste er etwas unternehmen, von selber ging die Hintertür nicht auf - er brauchte einen Türöffner. Er musterte die Dosi im Bett gegenüber die leise vor sich hin schnarchte und noch nicht die geringste Ahnung von Willys Wunsch hatte. Willy hatte ein großes Repertoire an Aufweckstrategien, die begann er nun einzusetzen.

Er setzte sich neben das Bett der Dois und gab ein klagendes  Miauen von sich. Ein Wehklagen, ein trauriges Lied von Verlassensein und Einsamkeit. Ein Laut zum Steinerweichen und Dosiherzen schmelzen. Eine Geräusch, auf das die Dosi im Wachzustand mit auf den Arm nehmen, kuscheln und Worten wie "oh, mein  armer kleiner Schatz, mein Willylein, mein Puschelchen, was ist denn nur los"  reagierte. Diesmal reagierte sie nicht. Willys allmorgendliche Weckversuche hatten einen gewissen Gewöhnungseffekt eintreten lassen. Willy erhöhte die Lautstärke und zog energisch am Bettlaken. Die Überlebensmechanismen seiner Dosi funktionierten auch im Schlaf. Willy bekam den Zipfel der Bettdecke auf dem Kopf zu spüren.

Seine Brüder Hermann und Paulchen erschienen im Schlafzimmer und verfolgten Willys Bemühungen mit Interesse. Willy sprang ins Bett der Dosi und brüllte diesmal ein "ich will raus"- Miau direkt in Dosis Ohr nicht klagend sondern fordernd. Unwilliges Brummen und Abwehrbewegungen ließen Willy aus dem Bett fallen. Willy sammelte sich zu neuem Angriff und sprang vom Nebenbett der Dosi direkt in die Magengrube. "Arschbombe" schrie er laut. Seine Brüder nickten beifällig und gaben hohe Wertnoten für den Sprung. Die Dosi klappte im Bett hoch und war verwirrt legt sich aber sofort wieder auf die Seite um weiter zu träumen. Von einer Katzendemonstration. Die Katzen trugen Schilder mit Sprüchen wie "wir wollen unsere Freiheit" und "Eingesperrte Katzen alle Länder vereinigt euch".  Paulchen hatte aus Langeweile angefangen unter dem Bett der Dosi die Auslegeware unter der Fußleiste rauszuprökeln. Die feinen Geräusche verwandelten sich im Unterbewußtsein der Dosi zu Bildern von vermummten Katzenhooligans, die in Dosiwohnungen eindrangen und die Einrichtung zerschlissen.

Willy ging jetzt zum äußersten über. Er rüttelte die Dosi an der Schulter mit seinen kleinen Pfoten. Und weil seine Pfoten so klein und die Dosi so groß war, benutzte er auch die Krallen. Er wusste, nach ein paar Sekunden fing die Dosi an sich kratzen und dann stand sie auf, weil sie Salbe auf die juckenden Stellen machen musste. Das war dann seine Chance. Und es klappte gut - auch dieses Mal. Und so zogen sie dann zur Hintertür - ausgeschlafene Katzen und eine zermürbte Dosi. Willy war zufrieden mit seiner Arbeit und machte sich im Geiste schon bereit, in einer Stunde seine "ichwillrein"-Tricks am Fenster abzuziehen. Seine Dosi konnte bis dahin ja noch ein wenig schlafen.




Der Betriebsausflug

"Wir machen einen Betriebsausflug" !  Die 5 Pinkys hielten ein kleines zwangloses Redaktionsmeeting ohne die Erwachsenen auf dem Hof ab und der Vorschlag kam von Willy. "Wer fliegt aus" fragte Paulchen, der sofort an die Schwalben in der Garage dachte und sich Hoffnung auf zartes Junggeflügel machte. Willy, der viel mit der Dosi vorm PC saß und sein Wissen in erster Linie von einem gewissen Herrn Gugel hatte, erklärte, "ein Betriebsausflug sei eine gesellige Zusammenkunft im Kreise der Kollegen - in diesem Fall der Redaktion - bei der man sich zu einer Lokalität begebe, gutes Essen und geistige Erbaulichkeiten zu sich nehme auf dass man lustig werde und sich voll amüsieren könne." Die Pinkys konnten sich zwar nicht viel unter so einer Festivität vorstellen aber das Argument gutes Essen zog immer.

Der Abend war schon fortgeschritten und die Sonne hinter der Weide untergegangen. Das letzte rote  Licht am Rand des Abendhimmels verbreitete eine anheimelnde Atmosphäre womit die  Richtung für den Ausflug schon mal vorgegeben war. Schnell wurde für die geistige Erbauung alles an Katzenminze zusammengerafft was greifbar war.  Proviant war im Moment nicht in Sicht. Igli vertilgte gerade die Reste vom Katzenfutter aus dem Schälchen vor der Tür. Hermann, der oft in Richtung Sonnenuntergang unterwegs war, meinte die Jagdgründe dort seien sehr ergiebig und man brauche nicht unnötig Essbares mit sich rumzutragen. Die Katzenminze sei an sich schon hinderlich bei einem längeren Pfotenmarsch. Igli sauste auf der Suche nach Resten zwischen den Pinkys umher und brachte Hermann auf die Idee, den Igel zu dem Ausflug einzuladen. Igli fand Gefallen bei dem Gedanken an reichlich Futter und ließ sich deshalb willig die Katzenminze auf den Rücken spießen. Sie schauten, dass keiner ihren Abmarsch beobachtete, besonders nicht dieser Spielverderber Keksi, der immer so mackerhaft rüberkam und ihnen bei jeder Gelegenheit Prügel androhte. Dann zogen sie gemeinsam los, Hermann voran, Igli als Nachhut.

Sie überquerten den großen Sandplatz und schlüpften durch das Loch im Zaun hinüber in den Nachbargarten. Von da erreichten sie den Rand der großen Weide und liefen in dem zugewachsenen Graben neben der Straße weiter. Am Ende überquerten sie die Straße und suchten im hohen Gras einer Wiese Deckung. Hermann führte sie in einen kleinen Wald. Mittlerweile war der Mond am Himmel und als sie die Lichtung erreichten, die als Platz für ihre Betriebsfeier auserkoren war, war diese bereits zur Hälfte in diffuses Mondlicht getaucht. Tinky kicherte albern.Sie hatte unterwegs immer mal wieder an Igli gerochen. "Psst " sagte Hermann, "da ist jemand".  Es knackte zwischen  den Bäumen  gegenüber. Ein Mann mit einem Gewehr kam  hervor und kletterte auf einen hohen Stuhl aus langen Hölzern um die Wiesen und Felder vor ihm beobachten zu können. "Er hat einen Knallstock" flüsterte Twinkle ängstlich. Den Pinkys wurde mulmig zumute. Ihre Dosi hatte es immer an den Nerven wenn Männer mit Knallstöcken unterwegs waren und sie hatte ihnen eingeschärft zu Hause zu bleiben, wenn sie einen Jäger auch nur von Ferne wahrnahmen. Sie zogen sich leise in den Schatten zwischen den Bäumen zurück. Nach Hause zurück konnten sie nicht. Dazu mussten sie über die Wiese die der Mann mit dem Knallstock unter Beobachtung hatte.

Sie nahmen die andere Richtung, hinaus aus dem Wald über einen Acker und erreichten einen kleinen Bach der tief in seinem Bett die Felder durchzog. Sie folgten ihm ein Stück und fanden eine geschützte Ecke mit einem Holzstoß der teilweise mit einer Plane abgedeckt war. Hier konnte sie niemand sehen und sie machten es sich bequem. Der Mond stand jetzt hoch und voll am Himmel umgeben von einem bunten Ring, was ihn zu einer perfekten Partybeleuchtung machte. Die Pinkys schnüffelten ihre geistige Erbauung und lauschten dem Konzert einer Band die sich Grilling Stones nannte und die in wilden Rythmen dem Mond und der Sommernacht huldigten. Dazu gesellte sich aus Richtung Bach ein etwas quakiges Blechorchester. Von der vielen Katzenminze ganz rührselig stimmten die Pinkys ein trauriges Katzenlied in Schnurr- Moll an. Es handelte vom einsamen Mondnächten, von unerwiderter Liebe und Seelenschmerz.  Die Grillen schwiegen solange. Ob aus Ergriffenheit oder weil der Gesang so schlecht war ist nicht bekannt. Nur die Frösche quakten monoton weiter. Ans Essen dachte bis auf Igli, der mit Katzenminze kiffen nichts am Hute hatte, niemand mehr. Außer Tinkerbell vielleicht, denn später fehlte ein Mitglied der Grilling Stones und ihre Vorliebe für ausgefallene Snacks war bekannt.

Die Nacht nahm ihren Lauf. Igli, der sich um sein Mahl betrogen fühlte, machte sich frühzeitig auf den Heimweg und nahm die restliche Katzenminze mit. Hermann hatte sich unter die Plane gelegt und war eingeschlafen. Willy und Twinkle halfen Tinky aus dem Bach. Sie wollte dem Quakorchester einen Besuch abstatten und war an dem steilen Ufer abgerutscht. Die drei machten sich gemeinsam auf den Heimweg. Paulchen verschwand desorientiert in einem Maisfeld in entgegengesetzter Richtung und tauchte ebenso wie Hermann erst Tage später wieder auf dem Hof auf. Die Grilling Stones ersetzten das fehlende Mitglied durch einen Frosch und wurden in dieser Besetzung sehr erfolgreich. Die Pinkys brauchten Tage um ihren Rausch auszuschlafen befanden aber den Ausflug  - bis auf Kleinigkeiten im Ablauf - als sehr gelungen.





Igel und andere Stachelarten



"Hey Aldder, mach mal Platz hier". Twinkle zuckt zusammen. "Hey Alter?" So einen Tonfall hatte sonst nur Keksi drauf. Hier sah er sich einem halbwüchsigen Igel gegenüber, der lässig mit den Futterschälchen jonglierte, sich auf ihren Rand stemmte damit sie hochkant kippten und den Inhalt auf komfortabler Fresshöhe preisgaben. Das musste einer von Iglis Söhnen sein. Vor kurzem hatte er die jungen Igel noch brav hinter ihrer Mama hertuckern sehen, folgsam ihrem Pfeifen gehorchend und ja nicht aus der Reihe tanzend. Nun stand da ein schlanker dunkler Jüngling die Stacheln glatt und glänzend - "wahrscheinlich mit Stachelgel behandelt" dachte Twinkle bei sich,  und machte einen auf dicke Hose. "Du könntest etwas höflicher sein" sagte Twinkle. "Höflich, du miauender Mottenfiffi ? Behauptest du etwa ich bin unhöflich" . " Ja, geh rüber zu Deiner Mammi und hol Dir eine Portion Erziehung ab" sagte Twinkle mit Blick auf Mutter Igel, die etwas weiter entfernt zwischen den Mülleimern unter dem Birnbaum wuselte und die heruntergefallenen Früchte kostete. "Ich möchte jetzt da vorbei."  Twinkle war müde und ungehalten. Er hätte gern den Rest der Nacht im Bett verbracht. Das hatte er bereits am Schlafzimmerfenster der Dosi verklickert und nun wartete er, dass sie ihm die Tür öffnete. Dem Jüngling ging Twinkles Bemerkung gegen den Strich. Er zückt seine Waffen. "Ich hätte es wissen müssen" dachte Twinkle, der sich rasiermesserscharfen Stacheln gegenübersah, die bedrohlich das Mondlicht reflektierten. Nun saß der freche Igel genau vor der Tür, hatte sich zu einer Kugel zusammengerollt, um so schnell und sicher seinem Opfer die volle Breitseite verpassen zu können.  Twinkle ergriff geistesgegenwärtig eine Futterschale und benutze sie als Schild gegen das heranrollende Stachelobjekt.  Ehe Twinkle sich mit einem Satz über den Igel hinweg in Sicherheit bringen konnte, erhielt er unerwartet Hilfe von Tinky, die vom Gartentisch aus eine Schale mit Dekoration über dem Igel auskippte.  Die Dosi hatte den Nachmittag Kastanien in ihren Stachelhüllen gesammelt und auf dem Tisch stehen lassen. Die Schalen verklemmten sich kommentarlos in des Angreifers Lanzenkleid und verhinderten für's erste weitere Angriffe. Nun griff auch die erziehungsberechtigte Igelmutter in das Geschehen ein.

Mama Igel war klein und rundlich und hatte helle Strähnchen auf dem Rücken. Ihr lag daran, gute Nachbarschaft mit den Katzen zu pflegen, schließlich traten sie ihrer Familie großzügige Restmengen von ihrem Katzenfutter ab. Sie hatte die Situation erfasst und näherte sich schneller als man es ihr bei der Körperfülle zugetraut hatte. Der Jungigel flüchtet vor dem herannahenden Donnerwetter unter die blaue Bank auch deshalb, weil sich die Hintertür öffnete und Twinkle, gefolgt von Tinky, endlich in die Wohnung und sein Bett konnte.

Twinkle und Tinky unterhielten sich noch über den Vorfall als sie Willy am Fliegengitter erblickten. Akrobatisch und gewandt sprang er von einer Ecke seines Netzwerks in die andere, kopfüber, seitwärts, sich nur mit einer Pfote haltend, mal hinten mal vorne loslassend. Eine wahre Meistervorführung voller Athletik und Eleganz vor allem, weil er dabei noch ein Maus im Maul hielt, die bei jedem Richtungswechsel wild mit den Ärmchen ruderte.. "Das hat er voll drauf"  sagte Tinky anerkennend während die Dosi sich aus der Bettdecke schälte und auf dem Weg zur Hintertür überlegte, wie sie es schaffen würde, Willy und Maus zu trennen. Es schien ihr gelungen zu sein, denn als Willy zu ihnen stieß, war er ohne Maus erzählte aber voller Verwunderung, er habe neben der Tür zwei Igel gesehen. Einen kleinen und einen großen. Und der große Igel habe dem kleinen Kastanien auf den Rücken gespießt.



Von Geistern und Kobolden

Willy ging über den Hof. Es war schon später Abend und er sollte eigentlich schon längst im Haus sein. Willy fand die Nacht sei noch jung und er verspürte noch kein Verlangen nach einem warmen Nachtlager in Dosis Bett. Er war sehr zufrieden mit sich, hatte er doch gerade im dem leerstehenden Gebäude hinter dem Topfgarten die Gespenster aus den dunklen Ecken vertrieben. Gespenster, das waren Nachtschatten, die in ihren Verstecken darauf warteten, den Vorbeigehenden durch Stöhnen und Heulen Angst einzujagen. Manchmal fassten sie einen auch mit ihren feuchten Fingern an und man verspürte kalte Schauer auf dem Rücken. Man konnte sie einschüchtern, wenn man laut sang.

Willy überlegte, ob er in der Scheune mit den Geistern in den Spinnweben weitermachen sollte, sah aber dann davon ab, weil er nicht wusste, ob Keksi zuhause war. Keksi hatte das Singmonopol in der Scheune. Es war sein Opernhaus. Aber er sang nicht wegen der Geister sondern um sich allgemein Gehör zu verschaffen. Er beanspruchte mit seinen Arien nicht nur die Scheune sondern den ganzen Hof. Dieser überhebliche Heldentenor konnte einem das Leben schon schwer machen. Weil er einem ewig nach schlich und Prügel androhte - wenn er nicht gerade Liedgut von sich gab oder mit dem Gesicht im Fressnapf verschwunden war. Manchmal machte er auch Pinky den Hof. Dann sang er Minnelieder zur Laute, sah frisurmäßig etwas derangiert aus und wirkte immer ein wenig verlegen.

Willy bewunderte Twinkle, der es wagte, trotz Keksis furchteinflößender Präsens mitten auf dem Hof traditionelle Mi-Jauel-Gesänge anzustimmen. Zur Reinigung des Ortes und Besänftigung verwirrter Seelen. Schamanengesang voller Inbrunst und Überzeugung. Das führte zwangsläufig zu Mißstimmigkeiten mit dem Heldentenor. Willy hatte vor ein paar Tagen Twinkle und Keksi im Ringkampf gesehen. Nicht mehr im Sangeswettstreit sondern im Nahkampf. Und der Gesang dazu war mehr ein Geschrei. Die Dosi hatte das Gerangel beendet. Keksi gab Fersengeld wenn er sie nur von weitem sah. Willy wollte kein Risiko eingehen und ging leise rüber zum Birnbaum.

Er grüßte Igli, der dabei war die beiden Fress-Schälchen vor der Hintertür auf Reste zu untersuchen. "nabend! nuschelte der Igel zurück. Etwas huschte den Birnbaum hinunter. Dunkelbraun und wuschelig, . "Oh nein, nicht der wieder" dachte Willy. Es war Öffi. Öffi war ein Marder, ein Steinmarder hatte die Dosi wichtig festgestellt. Öffi machte sich allenthalben unbeliebt: beim Dosimann weil der um die Kabel im seinem Auto fürchtete. Bei der Dosi, weil er Nachts randalierte. Bei Igli, weil Öffi die Reste vom Katzenfutter für sich beanspruchte. Bei den Pinkys, weil er ihren Unterschlupf im Dach über der Futterkammer in Beschlag genommen hatte.

"Ufffufffufff, lecker" Öffi stürzte sich auf die Schale, die Igli in Beschlag genommen hatte. "Hau ab" sagte der Igel. Öffi rückt ein Stückchen weiter als Igli ihm eine Stachelbreitseite verpasste. Igli rückte nach und Öffi wich wieder aus, unbekümmert dabei weiter fressend. Igli wurde sauer und versuchte den ungebetenen Fresspartner mit der Schnauze hochzuhebeln und umzuwerfen. Aber so ein Marder ist lang und beweglich und außerdem unter all dem Pelz schwer zu finden. Öffi war weiter unbeeindruckt und fing an Scheinangriffe auf Igli zu starten. "Attacke " rief er - "Attacke". Dabei sprang er dreieckig auf Igli zu und wieder zurück. Der Igel kapitulierte und verzog sich hinter die Mülltonnen. Öffi richtet seine Kampflaune nun auf die alte Fussmatte, die über den Zaun gehängt dazu diente, die Krallen dran sauberzumachen, ehe man das Haus betrat. Er verbiss sich in eine der Ecken und zerrte mit aller Kraft. Die Fussmatte reagierte träge indem sie ein paar Fransen an der malträtierten Ecke raushängen ließ. Öffi hüpfte nun auf den Zaun, balancierte ein wenig und sprang mit Schmackes in den Rosenbusch.

Fürs erste schien nun Ruhe eingekehrt zu sein und Willy überlegte, ob er noch eine Runde im Garten drehen sollte auf der Suche nach weiterem Nachtgetier oder sich am Fliegengitter bemerkbar machen sollte, damit man ihm Einlass gewähre. Ehe er noch eine Entscheidung treffen konnte , hörte er die Stimmer von Pinky, seiner Mutter. "Gib das sofort zurück." rief sie. Es folgte das Geräusch umfallender Gegenstände und ein Schleifen. "Eindeutig aus der Futterkammer" dachte Willy und sah um die Ecke. Öffi hatte Pinkys blaue Decke am Schlafittchen und versuchte sie gänzlich aus dem Eingang herauszuzerren. Flugs war er damit am Birnbaum und wollte seine unhandliche Beute nach oben in sein Domizil schaffen. So eine gemütlich Schlafunterlage hatte er schon lange einmal haben wollen. Pinky hechtete hinterher und krallte sich ans andere Ende der Decke. So schnell wollte sie dem Marder ihr Eigentum nicht überlassen. Willy kam ihr zu Hilfe und gemeinsam brachten sie Öffi samt Decke zu Boden. Öffi hatte ein sonniges Gemüt und seine Niederlage machte ihm nichts. Es findet sich immer ein neues Glück. So biss er nochmal herzhaft in die Fußmatte und stellte sich vor der Hintertür auf die Hinterbeine um zu sehen, ob nicht dahinter jemand mit einer Dose Katzenfutter in der Hand sich anschickte, den Napf aufzufüllen.

Willy nahm sich vor, bei nächster Gelegenheit das Redaktionsteam zu bitten, einen Beschwerdebrief wegen des Marders zu formulieren. Wenn das nichts half musste man sich andere Sachen ausdenken. Auf die Dauer wollte man diesen dreisten Eindringling nicht dulden. Gut, er war größer als eine Maus aber kleiner als eine Katze. Und die Dosie hatte von dem verstorbenen Onkel Pigeldy erzählt, der ausgewachsene Kaninchen als Beute mit nach Hause geschleppt hat. Willy beschloss Herrn Google bei Gelegenheit zu fragen, ob Marder zu den für Katzen geeigneten Beutetieren zählten und hoffte inständig, nicht von der umgekehrten Variante erfahren zu müssen.






Die Suche nach Paulchen

Willy hatte ein kleines Redaktionsmeeting auf dem Eßzimmertisch arrangiert. Es gab Milchkaffee und doppelte Kekscracker mit Füllung. Man wollte sich unterhalten, wie es weitergehen sollte. Z. B.  mit dem Team, das so richtig keines mehr war, seit Tante Sinchen in das andere Land zu Tante Ninifee gegangen war. Es gab niemanden mehr, der sie anwies und die Berichtersattung vorantrieb. Tante Silla, die sich aufgrund gewisser Probleme im Umgang mit dem Katzenklo mittlerweile den Beinamen Frau Pieselschön eingehandelt hatte, war nicht diejenige, die sich als Nachfolger anbieten würde. Es hieß nicht unbedingt, dass mit ihrer Schwäche auch eine Senilität verbunden war. Aber Tante Silla war von ihrer ganzen Art nicht geeignet, Führungsaufgaben zu übernehmen. Sie war einfach blond - ohne damit jemandem zu nahetreten zu wollen. "Blond ist nicht blöd" hatte Willy einmal wichtig festgestellt. "Es ist nur eine Bezeichnung für eine andere Art von Schlauheit..... "Ach,  ich dachte schon, es sei eine Haarfarbe" hatte Hermann entgegnet..

Dann war auch noch Paulchen spurlos verschwunden. Man vermisste seine komischen Einfälle, die er immer so begeistert in die Tat umgesetzt hatte. Tinkerbell klappte einen Keks auseinander und leckte an der Füllung - " Katzenminze" sagte sie. Hermann sah sich genötigt, den seinigen auch zu sezieren und stellte fest "Leberwurst, wollen wir tauschen Tinky?" Twinkle fand Buttercreme auf dem seinen und tauschte mit Hermann gegen Leberwurst, weil Tinkerbell ihre Hälfte mit der Katzenminzfüllung vom Tisch gefallen war und am Teppich festklebte. Willy hatte keinen Appetit und schlabberte seinen Milchkaffee.

"Wir sollten nach Paulchen suchen" sagte er " irgendwo muss er doch abgeblieben sein". Sie waren sich einig, dass er ihnen fehlte und dass es unbefriedigend war, nicht zu wissen warum er am Abend des 10. Dezember nicht mehr nach Hause gekommen war. Er hatte es immer eilig gehabt nach einer schnellen Mahlzeit und einigen vehement eingeforderten Streicheleinheiten wieder ins Freie zu kommen. Jedesmal verschwand er in dem großen Feld an der Straße. "Vielleicht hat er eine Freundin und eine neue Familie" meinte Tinky. "Dann könnte er doch wenigstens Bescheid sagen" nörgelte Hermann " und wir könnten ihn mal besuchen." "Wir sollten herausfinden wo er ist" sagte Willy mit fester Stimme. "Vielleicht hat er vergessen, wo er wohnt und ist froh, wenn wir ihn abholen."

So eine Exkursion in weiter entlegene fremde Gegenden verlangte gewisse Vorbereitungen. Allein die Frage, ob alle gehen sollten oder wenigstens einer zuhause bei den Dosieltern bleiben sollte musste diskutiert werden. Die Jungs wollten, dass Tinky zurück blieb. "Tante Silla bleibt doch zuhause" maulte sie und wies das Ansinnen von sich. Kopfzerbrechen bereitete ihnen vor allem die Tatsache, dass sich in der Gegend wo sie Paulchen vermuteten niemand auskannte. Hermann unternahm zwar im Sommer ausgedehnte Wanderungen aber genau in die entgegengesetzte Richtung. So keimte der Gedanke, Pinky und Keksi mitzunehmen. Keksi war ein erfahrener Kämpfer. Da hätte man jemanden,den man vorschicken konnte, wenn es brenzelig wurde. Und er kannte sich in der Gegend aus. Wurde sogar schon dabei erwischt, wie er einem in einiger Entfernung wohnenden Nachbarkater auf einen Balkon nachgestiegen war und dort vermöbelt hatte. Die Tatsache, dass Keksi sein Mackergehabe auch an ihnen ausließ machte ihnen etwas Angst aber man hoffte wenn Mama Pinky dabei war, würde er sich benehmen. Keksi war verknallt in Pinky und sie hatte ihn unter der Pfuchtel.

Aber erstmal musste man Keksi fragen. Es konnte nicht verkehrt sein bei so einem Begehren etwas als Geschenk für die erhoffte Leistung zu überreichen. Man barg also die restlichen Kekse wobei Tinky sorgsam die verunfallte Hälfte vom Teppich kratzte und mit dem Gegenstück wieder zusammenpappte. Sie erzählten kurz Pinky was sie vor hatten. Pinky war nicht entgangen, dass von ihren Kindern eines fehlte auch wenn sie das Geschehen in der Wohnung immer nur am Wohnzimmerfenster vor der Scheibe verfolgte. Und sie erklärte sich einverstanden, Keksi zu fragen, ob er bei dem Unternehmen als Scout und Bodygard fungieren wollte. Keksi fühlte sich gebauchpinselt. Er nahm die Kekse, roch andächtig an dem mit der Katzenminze und sagte ohne Umschweife zu. Den Pinkys war weiter mulmig zumute in seiner Gegenwart aber sie hofften, dass Pinky genug Einfluß auf ihn hatte, ihn von unüberlegten Handlungen abzubringen.

2.
Die Pinkys schnürten am darauffolgenden Abend ihr Bündel. Genauer gesagt war es ein rotkariertes kleines Rucksäckchen, in dem Tinkerbell sonst ihre Mädchensachen aufbewahrte. Armbändchen, Spielmäuse und ein abgegriffenes Foto von Cat Pit.  Nun enthielt der Rucksack eine Packung der gefüllten Katzencräcker, eine frisch gefangene Maus, ein Foto von Paulchen und ein Baldrianduftkissen. Letzteres gedacht als Vorsichtsmaßnahmei falls Keksi in brenzligen Situationen doch überreagieren sollte. Twinkle wurde als Träger auserkoren. Es war bereits dunkel und das war auch gut so, damit die Dosi ihren Marsch über das nur wenig Deckung bietende Feld vorm Haus nicht sehen konnte.


So kamen sie nach wenigen 100 Metern bereits nahe an den ersten Hof. Nur ein schmales Stück Wiese und die Straße trennte sie von der Hofeinfahrt. Sie duckten sich hinter einem kleinen Haufen Mist, den der Bauer vor ein paar Tagen hier abgeladen hatte.Die Pinkys waren bereits im Sommer heimlich im Schutze des großen Maisfeldes bis hier herangeschlichen und hatten neugierig versucht zu ergründen, was dort so vor sich ging. Fakt war, dass dort 2 nervige kleine Hunde wohnten, die bei jeder Gelegenheit in höchsten Kläff-Falsett das Geschehen um sie herum kommentierten. Dabei rannten sie stundenrund und völlig grundlos von rechts nach links und wieder zurück. Im Moment war dort alles ruhig. Eine Straßenlaterne beleuchtete das Wohnhaus, daneben lagen Stallungen in tiefem Schatten. Viele verwinkelte Schuppen gab es, gut geeignet, einer Katze als Versteck zu dienen. "Zwei Freiwillige vor, die sich ein wenig dort umsehen" sagte Willy. Er ging dann selbst mit Hermann auf Erkundungsgang. Sie drückten sich im Schatten an den Gebäuden entlang, bemerkten den Geruch von Pferden und Kühen und die Witterung der Hunde fanden aber keinen Hinweis auf Paulchen. Hinter dem Anwesen floss ein kleines Bächlein durch Wiesen und wildes Gelände. Mit einem Übergang auf die andere Seite, eine Seite mit weiten Feldern und lichten Baumbeständen. Für eine Aussteiger-Katze, die beschlossen hatte, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, ein Paradies.

Hermann drückte sich durch ein Loch in einer Schuppenwand während Willy draußen Schmiere stand. Es fand sich nur ein Stapel leerer Eimer, die ins Rutschen gerieten als Hermann die oberen erklommen hatte. Das Gepolter der Eimer ließ im Inneren des Hauses die Hunde anschlagen. Flugs öffnete jemand eine Tür und die hektischen Kläffer begannen ihre Jagd nach Nachtgespenstern und Poltergeistern. Die Pinkys im Feld duckten sich tief hinter den kleinen Misthaufen. Willy und Hermann sahen sich abgeschnitten von jeglicher Rückzugsmöglichkeit und versteckten sich nun gemeinsam in dem Gerümpel. Die beiden Hunde begannen ihr Spiel: hin und herlaufen und dabei in den höchsten Tönen kläffen. " jiiiief jiiief - räfff räfff" Sie verfolgten die Spuren der Spaziergängerhunde, die tags ihr Domizil passiert hatten. Und da das einige waren hatten sie viel hin und her zu laufen und einander viel zu vermelden. Die Katzen bemerkten sie nicht was Willy und Hermann Gelegenheit gab, sich aus dem Schuppen zu schleichen und in großem Bogen nach links das Grundstück an der Bachseite zu umrunden. Überflüssigerweise versuchte Keksi den Helden zu spielen und stellte sich auf dem Misthaufen in Positur voll beleuchtet von der Straßenlaterne. Die Hunde erstarrten als sie ihn bemerkten und dann schrieen sie mit sich überschlagenden Stimmen "eine doofe Miiiiezekatze ... ergreifen!!!! jiefff jiefff jiiieff." Geistesgegenwärtig warf Twinkle den heranstürmenden Hochtönern einen Buttercräcker entgegen. Das verfehlte seine Wirkung nicht und gab den Pinkys Gelegenheit einen Zwischenspurt zu einem umgefallenen Baum auf einer Nachbarwiese einzulegen während sich die Hunde um den Kräcker stritten. Dort trafen sie auch Willy und Hermann wieder.

3.
Jetzt waren sie auf dem zweiten Hof, der ihrem zuhause schräg gegenüber lag. Ein sehr unübersichtliches Terrain. Landwirtschaftliche Maschinen, Strohballen in langen Reihen, Planen, Holzstapel ... zu viel um ein einer Nacht nach Paulchen abgesucht zu werden. Tags liefen hier neben Kühen allerlei merkwürdiges Getier wie Schweine, Gänse und Hühner. Das wußten sie bereits aus ihren Erkundungstouren im Maisfeld. Näher rangetraut hatten sie sich an diese Stätte noch nie - auch hier gab es einen Hund. Wie aus dem nichts stand plötzlich ein großer grauer Kater vor ihnen. Ein alter Haudegen mit Löchern in den Ohren und Tätowierungen im Gesicht. Vorsichtig aber mit der Gestik des Überlegenen musterte er die gestreiften und schwarzen Kätzchen die ihm eingeschüchtert gegenüber standen. Verwöhnte Dosenfresser aus Wohnungshaltung. Keine Gegner bis auf den großen schwarzen mit der albernen Maske im Gesicht, der ihn ebenfalls kritisch musterte. Der Rest zwei recht attraktive Katzenfrolleins, zwei übergewichtige Katerjüngelchen in schwarz und gestreift und ein dünner mit schrägen Augen. Willy sagte artig "guten Abend. "Ist das ein guter Abend?" sagte der Graue, der Keksi nicht aus den Augenwinkeln verlor. "Was wollt ihr hier. "Unsere Versorgungsstelle hier auf dem Hof ist voll besetzt. Wir dulden keine Fremden". Willy beeilte sich zu sagen, dass man nur auf der Suche nach jemandem sei und stellte die Frage, ob die letzte Zeit vielleicht ein fremder Kater mit einer auffälligen braunen Nase hier vorbeigekommen sei. Sein Gegenüber war nicht sehr auskunftsfreudig. "Verzieht euch" sagte er, "hier kommen viel Fremde vorbei. Ich sorge dafür, dass sie schnell wieder gehen und halte mich nicht damit auf, sie mir zu merken". Er machte eine bezeichnende Geste mit der Pfote bei der auch kurz die Krallen aufblinkten. Pinky strich Keksi beschwichtigend über das gesträubte Nackenfell. Twinkle warf ihr das Baldriankissen zu und sie fächelte damit wild vor Keksis Nase rum. Es verfehlte seine beruhigende Wirkung nicht. Der Graue grinste verächtlich: ein Testosteronbolzen unter dem Pantoffel. "Wir haben ein kleines Geschenk für Dich" sagte Twinkle, griff erneut in den Beutel und zog die Maus hervor. "Frischware - mindestens 300 Mausgramm schwer". Der Graue nahm wohlwollend die fette Maus und warf im Gegenzug einen Blick auf das Foto. "Nein, den hatte er hier noch nie gesehen." Aber es gäbe hier in der Gegend noch diverse Futterstellen und Katzengruppen. Man respektiere die Reviergrenzen und bis auf einige notorische Querulanten sei es in der Gegend friedlich." Er riet ihnen 3 Höfe weiter nach Tofu zu fragen der war viel rumgekommen in letzter Zeit. Wenn sie ihm sagten, dass Kralle sie geschickt habe, werde er ihnen Auskunft geben.

4.

Auf dem Weg zu dem von Kralle beschriebenen Hof schlichen sie weiter durch die Nacht. Immer im Schutz von Hecken, Mauern oder Ackerfurchen wenn sie durch offenes Gelände mussten. Die Höfe lagen hier weit auseinander und sie hatten einen anstrengenden Marsch hinter sich als sie Tofu trafen. Tofu war ein langhaariger silbergrauer Kater Kater mit weißen Strähnen. Er lauerte gerade etwas glücklos vor einem Mauseloch. Tofu war sehr mitteilsam uns so erfuhren sie fast seine ganze Lebensgeschichte während er dankend Gebrauch von den gefüllten Kräckern machte die man ihm anbot. Er war von einem betuchten und komfortablen Zuhause weggegangen, weil man ihn vegan ernähren wollte. Nach längerer Wanderschaft und Probewohnen bei anderen Dosenöffnern die liebend gern den langhaarigen Schönling behalten hätten, hatte er Anschluss an sympathische Dosenöffner und eine angenehme Katzengruppe gefunden. Eigentlich hieß er Merlin - den Namen Tofu hatten ihm seinen neuen Katzenkumpel gegeben als sie den Grund für den Wechsel seiner Dosenöffner erfahren hatten. Tofu unterhielt Kontakte zu den diversen Stellen, die er im Laufe seiner Wanderschaft kennen gelernt hatte. Er sah sich das Foto an aber auch er hatte Paulchen nicht gesehen und es waren ihm auch keine Berichte über Fremde in der Gegend zu Ohren gekommen, die länger hier verweilt hätten. Er wolle sich trotzdem umhören und Kralle Bescheid geben, wenn sich Neuigkeiten in der Sache ergaben.

Die Pinkys waren entmutigt und müde. Seit Stunden waren sie jetzt auf den Pfoten und hatten nichts beschickt. So machte man sich auf den Heimweg mit Keksi als Frontmann. Sie hielten direkt auf einen weiteren Gebäudekomplex zu. Keksi plante, dort die Straße zu überqueren und im Schutze des Grabens nach Hause zurückzukehren. Doch erst einmal trafen sie auf 2 reizende schwarz/weiß gefleckte Katzenmädchen, die auf dem Pferdehof wohnten und sich freuten, soviel Besuch auf einmal zu bekommen. Auch hier fragten sie vergeblich nach Paulchen und während sie im Stall bei den Pferden im Stroh saßen und gemeinsam die restlichen Kräcker verzerrten, erzählten die beiden von den seltsamen Vorgängen bei ihnen auf dem Hof kurz vor Weihnachten - genau die Zeit, in der Paulchen verschwunden war. Viel Geschrei habe es gegeben, der Hund hätte gebellt. Die Pferde waren unruhig geworden und die Dosimenschen hatten mit mit Taschenlampen ins Dunkle geleuchtet. Man hatte vermutet, dass zwei Kater oder auch Marder sich geprügelt und verletzt hätten. Die Pinkys dachten sofort an Öffi ,den Marder, der ihnen im Herbst das Leben schwer gemacht hatte. Der war nämlich auch verschwunden. Sie konnten sich keinen Reim drauf machen, was das Verschwinden des einen mit dem des anderen zu tun hatte. Sie waren auch viel zu müde weitere Spekulationen anzustellen. So verabschiedete man sich von Jola und Tura nicht ohne zu versprechen, mal wieder vorbei zu schauen. Tinkerbell nahm sich vor das bald zu tun denn sie vermisste ein paar Freundinnen. Immer nur mit den Jungs zusammen war doof.

Müde schleppten sich gen Heimat. Keksi und Pinky verschwanden in der Scheune und die Pinkys mussten sehen, wie sie die Dosi wachbekamen, die schon lange im Bett war. Aber Willys Zupfen am Fliegengitter riss sie letztlich doch aus dem Schlaf. So plötzlich aus der tiefsten Traumphase gerissen wunderte sich noch nicht mal darüber, dass alle 4 Pinkys zusammen vor der Tür standen lediglich dass Twinkle einen rotkarierten Rucksack trug, beunruhigte sie etwas. Die Pinkys ließen sich erschöpft auf ihre Schlafplätze plumsen und waren sich einig, die weitere Suche nach Paulchen beim nächsten mal etwas weniger anstrengend zu gestalten. 


Der Sängerwettstreit

Die Pinkys waren aufgeregt und drückten ihre Nasen an der Fensterscheibe platt. Während die Dosi vor dem Fernseher der Aufklärung heimtückischer Mordfälle durch einen gewissen Inspektor Barnaby entgegen harrte spielten sich unbemerkt von ihrem  seriengeschulten Kriminal-Instinkt spannende Szenen auf dem eigenen Hinterhof ab. Gut, es wurde niemand perfide um die Ecke gebracht aber auf dem Hof standen sich zwei Kampfkater gegenüber. Ein kurzbeiniger schwarzer mit alberner weißer Nase und ein großer fremder Kater. Ein sehr großer fremder Kater. Sie standen sich Aug in Aug gegenüber - Stirn an Stirn sozusagen und brüllten sich gegenseitig die Meinung über den anderen entgegen.  Die Lautstärke hätte man ob des geringen Abstands locker um einige 100 Dezibel drosseln können ..   aber hier ging es um's Prinzip. Der fremde, ein schwarz weißer Kater mit  Zorro-Maske hatte einen passablen Bariton. Der andere war Keksi. Der Heldentenor war  nicht so gut bei Stimme wie sonst, er schien etwas aufgeregt und japste in den Höhen immer nach Luft, so als würde ihm die Frechheit, dass sich jemand in sein Revier getraut hatte, die Stimme verschlagen.

Der Fremde hatte den Napf von Mama Pinky leeren wollen und war dabei von Keksi überrascht worden. Willy und Hermann sprangen vom Fensterbrett und liefen ins nächste Zimmer von wo aus sie eine bessere Sicht zu haben glaubten. Von dort kamen ihnen Tinkerbell und Twinkle entgegen die wiederum glaubten am anderen Fenster bessere Sicht zu haben. Das hektische Hin und Hergerenne entging der Dosi nicht und lenkte ihre Aufmerksamkeit ab vom Geschehen in der Grafschaft Midsomer. Die Pinkys konnten nun von ihren Fensterplätzen verfolgen, wie die Hintertür aufging und zwei blaue Gummihandschuhe in Richtung der Sänger flogen. Die beiden Streitkater verließen etwas hastig den Ort des Geschehens. Doch kaum um die Hausecke verschwunden nahmen sie ihr Gesangsduett wieder auf.

Die Pinkys eilten zur Tür denn nun konnten sie das Geschehen nicht mehr von einem Fenster aus verfolgen. Man wollte doch nichts verpassen. Leider gab es striktes Ausgehverbot. Sie äußerten sich lautstark und voller Unmut über die Beschränkung ihrer Freiheit aber die Dosi blieb hart. Keine nächtliche Massenkeilerei.

Dabei wollten sie doch nur dabei sein, wenn Keksi mal eins auf die Mütze bekam. Übellaunig setzten sie sich zusammen auf das Bett vom Dosimann.

"Das ist ja langweilig" sagte Tinkerbell maulig. Sie hatte sich in letzter Zeit öfter mit Thura und Jola getroffen. Das war sehr unterhaltsam gewesen. Sie hatten Fotos von Cat Pitt und anderen Schauspielerschönlingen angesehen und gekichert, wenn sie über Jungs sprachen. Thura hatte einen Verehrer. Er hatte ihr neulich einen Fisch vor die Pfoten gelegt und sie eingeladen auf das nächste Mondscheintreffen am verbotenen Teich. Sie hatte sich geziert und gesagt, sie käme nur, wenn ihre Freundinnen mitkämen und so stand beim nächsten Vollmond für die 3 Mädels ein spannendes Abenteuer an.

Willy schlug vor, doch die Suche nach Paulchen wieder aufzunehmen. Die Vollmondparty am See könnte man gut als nutzen, mal ein wenig in die Runde zu fragen und den Partybesuchern das Foto von Paulchen zu zeigen. Tinky fand die Idee nicht so gut. Sie wollte nicht gleich unangenehm auffallen.

Das Duett auf dem Hof schien beendet - jetzt hörte man nur noch Keksis üblichen Gesang mit dem er verkündete, wie toll er sei. Sie brauchten nicht aus dem Fenster zu schauen um zu wissen, dass er jetzt mackerhaft alles markierte, was mehr als 5 Zentimeter überstand. Die Pinkys waren sich einig, den Macho nicht noch einmal mit auf ihren Ausflug zu nehmen. Voll peinlich, wie der sich benahm.

Der nächste Vollmond kam und Tinky ging ihre Freundinnen abholen. Die Jungs vertreiben sich die Zeit mit dem üblichen Abendkram. Der Rundgang durch Nachbars Garten, in Mäuselöchern rumstochern, angepisste Stellen kontrollieren, nachsehen, ob irgendein verspäteter Vogel es nicht mehr zeitig ins Nest geschafft hatte, Maikäfer zu Boden schlagen ...   Aber sie waren nicht so richtig bei der Sache, dachten an Tinky und beschlossen spontan, doch zum verbotenen Teich zu gehen.

Sie hatten den Ort des Geschehens schon vor Tagen abgecheckt.   Der kleine See war von einem Wall umgeben. Mächtige Weiden standen dort und streckten ihre Zweige weit in den Himmel. Um das Wasser herum stand an den Uferrändern Schilfgras, alles war dicht mit Brombeeranken und Brennesseln zugewachsen. Ein kleines vollgelaufenes Boot lag halb im Wasser halb am Ufer. Sie registrierten Flaschen, Dosen,  Reifen, ein Fahradlenker und einen Gartenstuhl. "Die Menschen nutzen traditionell die Gewässer um ihren Müll zu lagern" bemerkte Willy wichtig, "so wird er gleich sauber". Einige Enten wuselten in Ufernähe unter dem Geäst eines abgebrochen Weidenbaumes. Ein kleiner Pfad umrundete den Teich, endete an der Stelle mit dem Boot in einem Gewirr aus Zweigen und Ranken. Sie betrachteten das Boot aus der Nähe. "Vielleicht schwimmt es noch wenn man das Wasser ausschöpft" hatte  Hermann gemeint.  Beim nächsten mal würden sie leere Büchsen mitbringen um es auszutesten.


Heute wurde das jedenfalls nichts mit bootfahren. Die Pinkys hatten sich eine wilde Party mit Katzenminze und lauter Musik vorgestellt. Statt dessen fanden sie ein sehr ruhiges geselliges Beisammensein vor. Der Mond spiegelte sich in dem kleinen See und soweit man einen Blick auf den ein oder anderen Besucher erhaschen konnte, saßen alle friedlich im Gras, auf Baumstümpfen  und sahen gedankenvoll auf die Spiegelungen im Wasser. Den Gartenstuhl hatte man aufgerichtet. Ein dunkler großer Kater saß darauf. Er drehte den Kopf als er die Neuankömmlinge bemerkte.Seine Augen leuchteten auf im Mondlicht.Türkisfarbene und silberne Reflexe streiften die drei Pinkykater. Der Dunkle nickte unmerklich und sie setzten sich schüchtern ins Gras am Fuß einer Weide. Hin und wieder huschte einer Abendhauch durch die Zweige und bahnte dem Mondlicht  einen Weg durch Blätter und Zweige. Sie sahen Thura und ihren Verehrer Pfötchen haltend unter einem Dach von Brombeerranken.  Tinky saß mit Jola zusammen auf einem umgestürzten Ast über dem Wasser.Da waren Katzen, die sie noch nie gesehen hatten. Es gab auch bekannte Gesichter wie Sando der Nachbarskater und seine beiden Mitbewohner. Hin und wieder erhob einer der Katzen die Stimme und gab eine kleine Gesangseinlage zu Besten. Just for fun .. ohne damit einem anderen zu nahe treten zu wollen. Die Zuhörer quittierten die Darbietungen mit beifälligem  Pfötchengetrappel. Eine Tenorstimme sang eine Arie, die den Pinkys aus dem Werbefernsehen bekannt vorkam. "Ist das nicht Keksi - was macht er da??"" flüsterte Hermann. "Ja, meinte Willy, das ist Keksi. Ich glaube, er singt von Schokoladencrossies" . Twinkle fühlte den Drang, auch einmal eine Gesangsprobe von sich zu geben. Aber noch während er Luft holte hielten Hermann und Willy ihm die Pfoten vors Maul. "Pssst". Man wollte den Hofmacho doch nicht unnötig auf sich aufmerksam machen. Sie blieben noch eine Weile und genossen die entspannte Atmosphäre. Wieder auf dem Heimweg, hörten sie von hinten eine bekannte melodische Stimme "Guten Abend, Jungs. Hat es Euch gefallen?"  Den Pinkys verschlug es die Sprache. Keksi war nett zu ihnen?  Willy stammelte irgendein wirres Zeug wie "ja, es war sehr unterhaltsam und die Beleuchtung war klasse."  Keksi nickt ihnen freundlich zu. Er hatte wohl noch etwas vor, denn er nahm nicht den direkten Weg nach Hause. Noch etwas romantisiert von der friedlichen Stimmung sanken sie zuhause in die Betten und fragten sich,wie Keksis Stimmung wohl den nächsten Tag sein würde, wenn der Mondscheinrausch vorbei war.










Kätzchengraphik: graphicgarden